Goldy 250 von Schaub Lorenz

Einleitung

Ein ehemaliger Berufskollege während unserer gemeinsamen Zeit vor 40 Jahren in einem großen
Elektrokonzern in Mannheim rief mich ganz überraschend vor einigen Tagen an. Er hatte meinen Namen
im Internet gefunden und dabei auch erfahren, dass ich mich u. a. mit Röhrenradios beschäftige.

Sein Anliegen war, ob ich an einem alten Röhrenradio Interesse hätte, das beim Aufräumen in seiner
Bodenkammer nun entsorgt werden sollte. Ich bejahte seine Frage und wir einigten uns auf folgenden
Tauschhandel: Ich bringe insgesamt sechs Rotweinflaschen Kabinett und Spätlese mit von einem Winzer
hier an der Bergstraße und bekomme dafür das Röhrenradio aus dem Jahre 1959 mit dem Namen Goldy
250 von der Radiofirma Schaub-Lorenz.


Das Röhrenradio Goldy 250 von Schaub-Lorenz

Ein kurzer Funktionstest an einem Röhrenradio besteht darin, die UKW-Taste zu drücken und nach
einigen Sekunden Wartezeit den Senderdrehknopf zu betätigen bis man einen UKW-Sender gefunden hat.
Mehrere Sender waren im Radio Goldy 250 zu hören, das äußerlich im guten Zustand war. Auch das
magische Band funktionierte.

Bild 1

Auf der Rückwand waren keine Kratzer zu sehen. Das nachfolgende Bild zeigt an, dass im Innern des
Radiogehäuses eine UKW-Antenne mit herausgeführtem Antennenstecker vorhanden ist.

Bild 2


Die Rückwand wird herausgenommen

Bei herausgenommener Rückwand sollte man keinen Schreck bekommen. Wie zu erwarten war, liegt auf dem
Chassis und den anderen Radiobauteilen eine Staubschicht.

Bild 3

Mit einem Pinsel und einem Staubsauger konnte das Entstauben problemlos durchgeführt werden.

Bild 4


Das herausgenommene Chassis erlaubt einen Blick auf die Chassis-Unterseite mit den eingelöteten Widerständen
und Kondensatoren.

Bild 5

Die überwiegende Anzahl der Widerstände haben Farbringe, mit denen der Widerstandswert in Ohm gekennzeichnet
wird. Mit Hilfe der folgenden Tabelle kann mit den Farbringen der Ohm-Wert und die Toleranz bestimmt werden:

Bild 6


Ein Blick auf den Schaltplan

Die Superhet-Empfänger in der damaligen Zeit waren standardmäßig bestückt mit den Röhren ECC 85, ECH 81,
EF 80, EABC 80 und EL 84. Das magische Band arbeitet mit der horizontal liegenden Röhre EM 84.

Bild 7

Man ist immer wieder erstaunt über den sehr guten Klang vom Oval-Lautsprecher. Dafür ist auch ein besonderer
Schaltungsteil (siehe grüne Einfärbung im Schaltplan), ausgehend von der Sekundärwicklung des Lautsprecher-
Übertragers, verantwortlich. Es handelt sich um ein Netzwerk aus Widerständen und Kondensatoren, die das Ton-
signal am Lautsprecher als Gegenkopplung am Widerstand mit 250 Ω in der Gitterbeschaltung der EABC 80
zurückführen. Mit dem Zeichenprogramm von Power Point habe ich dieses Netzwerk übersichtlicher gezeichnet, wie
das folgende Bild erkennen läßt:

Bild 8

Eine weitere Klangbeeinflussung erfolgt mit dem Lautstärkepotentiometer, das bei 300 kΩ Abstand vom Fußpunkt aus
angezapft ist. Der Kondensator mit 10 nF bewirkt über den Widerstand mit 47 kΩ einen Nebenschluss für mittlere und
hohe Frequenzen. Bei herabgedrehter Lautstärke werden sie weniger gut wiedergegeben: tiefe Töne erscheinen ange-
hoben, um auch bei leiser Wiedergabe den vollen Orchestereindruck zu geben.


Gerätebeschreibung anhand des Schaltplanes

FM-Teil
Im UKW-Teil wird die ECC 85 verwendet. Ein Triodenteil dient zur HF-Vorverstärkung, die zweite Hälfte
erzeugt in additiver Mischung die 10,7 MHz-Zwischenfrequenz. Der UKW-Teil ist metallisch abgeschirmt
und verhindert so die Störeinstrahlung.
Die Verstärkung erfolgt über zwei ZF-Stufen mit den Röhren ECH 81 und EF 89. Für die anschließende
Demodulation in Ratiodetektorschaltung wird die EABC 80 benötigt.

AM-Teil
Der Mittel- und Langwellenvorkreis sind auf einem Ferritstab angebracht. Der AM-Oszillator arbeitet mit
der Röhre ECH 81 in multiplikativer Mischung. Die Bandbreite des ZF-Verstärkers über die vier ZF-Kreise
beträgt ca. 3,8 kHz. Zur Demodulation dient die dritte Diodenstrecke der Röhre EABC 80.

NF-Teil
Das Niederfrequenzteil des Gerätes ist mit einem getrennten Höhen- und Tiefen-Regler und zwei Klangtasten
ausgestaltet, um eine große Variation der Klangfarbe zu ermöglichen. Die Endstufe arbeitet mit der Röhre
EL 84, einem Ausgangsübertrager der Größe EI 48 und einem Oval-Lautsprecher.

Netz-Teil
Der Netztransformator ist für Eingangsspannungen von 110V, 127V, 155V und 220V ausgelegt. Auf der Sekun-
därseite gibt es die Heizwicklung mit 6,3V und die Wicklung für die Anodenspannung mit 240V. Der Selen-
gleichrichter B 250 C 75 in Brückenschaltung befindet sich in Flachbauform auf dem Chassis in der Nähe
des Netztransformators.


Reduzierung der heutigen Netzspannung von 230V auf 220V

Der seitlich am Chassis befestigte Netztrafo ist für maximal 220 V~ ausgelegt. Wenn an das heutige Netz mit
230 V~ das Radio für 220 V~ angeschlossen wird, erhöhen sich die Anodenspannung und die Heizspannung.
Außerdem erwärmt sich der Netztrafo deutlich infolge des erhöhten Leerlaufstomes. Die erhöhte Anodenspannung
kann die beiden Siebkondensatoren mit je 50 µF beschädigen.
Ich habe daher ein kleines Vorschaltgerät für die Spannungsabsenkung mit folgender Schaltung aufgebaut:

Bild 9

Bild 10



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