Erlebte Radionostalgie mit Elektra 56

©Norbert Meier und Ute Laager 2013 und 2020


Das Röhrenradio Elektra 56 von Nordmende muß repariert werden

Ich hatte gerade in meiner kleinen Hobby-Bastelkammer mit der Reparatur eines defekten
Röhrenradios aus den 50ziger Jahren begonnen und schaute auf die braune Glasplatte
mit den vielen Namen der Sendestationen: Ziemlich weit rechts im Mittelwellenbereich bei
ca. 530 kHz lese ich den Stationsnamen Beromünster.

Wenn ich das defekte Röhrenradio wieder "zum Laufen" bekomme, dann werde ich mal
versuchen, ob ich von Weinheim aus den Schweizer Sender Beromünster empfangen kann.


Liste der Mängel

Nun folgt die Liste der von mir festgestellten Mängel:


Ausbau des Radiochassis

Zuerst wird die Rückwand abgeschraubt:

Bild 1

Ansicht des Chassis auf der Rückseite vom Radio Elektra 56:

Bild 2

Das Radiochassis wird ausgebaut, nun wird erst einmal das Chassis geputzt, z.B. mit Wattestäbchen.

Bild 3

Dank meiner Messgeräte und Werkzeuge, insbesonde mit Hilfe des Oszilloskops, konnte ich
den defekten Elektrolytkondensator für die Glättung der Anodenspannung lokalisieren und
sogar aus meinem Radioersatzteilbestand einen passenden Elko einbauen.

Das folgende Bild zeigt von der Chassisunterseite die vom Hersteller eingelöteten Bauteile
im Bereich des Endstufenteils. Von der Endstufenröhre EL84 sieht man im Bild (Mitte links)
den teilweise durch lokale Wärme geschwärzten Röhrensockel.

Bild 4


Mein Entwurf eines Schaltplanes der Endstufe

Da ich noch keinen Schaltplan für dieses Nostalgieradio besitze, werfe ich erst einmal einen
Blick in mein altes Buch mit dem Titel "Funktechnik ohne Ballast", Jahrgang 1972. Der Autor,
Otto Limann, geht nur kurz auf wenige Röhrenschaltungen ein, die Halbleitertechnik mit den
Transistoren hatte sich in den Rundfunkgeräten bereits durchgesetzt. Die Röhrenschaltungen
für Radios sind in der Literatur ab 1970 reiner Ballast. Der elektrische Bauplan der damaligen
Röhrenradios, die von den Firmen Telefunken, Grundig, Siemens oder Nordmende hergestellt
wurden, waren alle ziemlich ähnlich, wenn die Radios die Röhrenbestückung ECC85, ECH81,
EF89, EABC80 und EL84 enthielten.
Den Schaltplan des Endstufenteils für das vorliegende Radio Elektra 56 von Nordmende
habe ich mit Hilfe des zitierten Buches mal aus meiner Sicht am PC mit MS-PowerPoint
gezeichnet. Mein Patenkind Frank hat mir dabei noch einige Tipps gegeben, mit welchem
Dateityp *.gif oder *.jpg diese Grafik für die Webseitendarstellung zu speichern ist.

Bild 5

Man kann den 1. Siebkondensator C1 am Brückengleichrichter im Schaltplan sofort
erkennen. Nach dem Einlöten eines Ersatzkondensators erfolgt erneut der Funktionstest.

Inzwischen habe ich mit einem kostenlosen Download eine Schaltplan Elektra 56 erhalten:

Bild 5a


Funktionstest am Bastelplatz

Achtung ! Beim Testen unter Spannung ist äußerste Vorsicht geboten !
Das Brummen ist beseitigt, viele Mittelwellen- und UKW-Sender sind problemlos
nach der Reparatur des Skalenantriebs mit diesem Radio zu empfangen.

Bild 6

Im obigen Bild rechts ist der Ferritstab mit den Empfangsspulen für Mittelwelle und
Langwelle (L) zu erkennen. Links daneben befindet sich der UKW-Empfangsbaustein
mit der abgeschirmten ECC85. Daneben ist die Mischröhre ECH81, ein Bandfiltertopf,
die EF89, wieder ein Bandfiltertopf angeordnet und unter einem kaminartig abgewinkelten
Blech befinden sich die Röhren EABC80 und die Endröhre EL84, deren Heizung viel
Wärme erzeugt. Nun folgt der endgültige Zusammenbau.

Bild 7

Kaum zu glauben. Das schmucke Kultradio kann nun wieder präsentiert werden.

Ein Druck auf die M-Taste für Mittelwelle (MW), ca. 15 Sek. warten bis die Röhrenheizung
einen Elektronenfluss in den Radioröhren ermöglicht, dann den rechten Drehknopf nach
rechts drehen, bis der rote Zeiger für die Sendereinstellung auf dem kleinen Rechteck
für "BEROMÜNSTER" positioniert ist.

Bild 7

Links den Drehknopf für die Erhöhung Lautstärke nach rechts drehen. Ja, da höre
ich was! Aus dem Lautsprecher kommt leise Akkordeonmusik und im Hintergrund höre
ich eine Zither spielen:

Ute, ruf doch bitte mal in den nächsten Tagen Emilia und René in Zürich an, wo liegt
denn Beromünster? Als Antwort erhielten wir: Beromünster liegt etwa 60 km südwestlich
von Zürich.


Ein Wiedersehen im Jahre 2020

Nach dem Tode von René im März 2020 haben wir uns im September mit Emilia und ihren
beiden Töchtern Renate und Irene in Zürich am Grab von René getroffen. Anschließend
waren wir zusammen in einem in der Nähe liegenden Café und hatten uns dort viel zu erzählen.

Bild 7


Bild 7

Auch ich habe von meiner Radioreparatur und vom Empfang des Senders Beromünster erzählt.
Freundlicherweise haben mir daraufhin die Töchter die beiden folgenden Bilder zur Erinnerung
geschickt:

Bild 7

Das obige Bild stammt aus dem Jahre 1959 anlässlich des zweiten Hochzeitstages von Emilia und
René. Mit dem neuen Röhrenradio im Hintergrund wurde sehr oft der Landessender Beromünster gehört.

Bild 7


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