Vor 70 Jahren bekam ich zu meinem 12. Geburtstag einen roten Detektorempfänger mit
einem aufsteckbaren Kristall-Detektor. Mein ältester Bruder schenkte mir dazu den
erforderlichen hochohmigen Kopfhörer mit 4000 Ohm, den er aus dem Krieg mitgebracht
hatte.

In einem Kristall-Detektor befindet sich in einem Glasrohr auf der einen Seite ein etwa 5 mm
großer Kristall aus Bleiglanz, der einen Pol der Diode bildet. Der andere Pol wird von einer
Metallspitze gebildet, die von außen über einen Hebelarm auf einen geeigneten Punkt des Kristalls
positioniert werden mußte, damit einen Gleichrichter-Wirkung entsteht. Mehrmals mußte ich auf
dem Kristall herumstochern, bis der Ortssender im Kopfhörer zu hören war.

Im Kinderzimmer wurde oben an der Deckenkante über zwei Ecken eine 6 m lange Antenne aus
Kupferdraht befestigt. Am herunterhängenden Ende befindet sich ein Bananenstecker, der
in die Buchse des Detektorempfängers, im obigen Bild hinter dem Kristall-Detektor, gesteckt
wurde.
In die zweite Buchse kam ein Stecker für die Erdung, die über einen Kupferdraht bis zum
metallischen Teil eines Heizkörpers von der Zentralheizung gebildet wurde.
Im Detektorempfänger befindet sich der Drehkondensator und die Spule:

Für den einfachen Detektorempfänger kann folgender Schaltplan gezeichnet werden:

Spule und Kondensator bilden eine abstimmbaren Schwingkreis für den örtlichen Mittelwellensender.
Mit dem Kopfhörer abends im Bett liegend habe am Sonntag Abend im Detektorradio oft gegen 22 h
das Hörspiel von Francis Durbridge gehört. Der Titel war "Paul Tempel und der Fall ......" In der
deutschen Hörspielfassung war der Sprecher von Paul Tempel René Deltgen mit seiner markanten Stimme.
Ende der 50ziger Jahre konnte der Kristalldetektor durch eine Germanium-Diode ersetzt werden.
Ein Ferritstab mit aufgewickter Kupferlitze für den Mittelwellenbereich machte die Antenne
und die Erdung überflüssig. Der Kopfhörer wurde ersetzt durch einen hochohmigen Kristall-Ohrhörer.
Ein von mir aufgebauter Detektorempfänger mit den neuen Bauelementen zeigt das nächste Bild:

Der einfache Schaltplan:

Die Germanium-Spitzendiode ist eine Halbleiter-Diode, bei der eine Drahtspitze auf ein
kristallines Halbleiterplättchen drückt.

Mit der niedrigen Durchlassspannung der OA 81 von nur 0,5 Volt war es damals möglich,
mit einer Detektorschaltung Radiosendungen auf Mittelwelle zu empfangen.
Der Transistor ist ein elektronisches Halbleiter-Bauelement zum Verstärken niedriger elektrischer
Spannungen und Ströme. Vom Transistor BC 547C ist die Anschlußbelegung und das Symbol für den
Transistor im folgenden Bild zu sehen:

Ein wesentlicher Kennwert vom Transistor ist der Stromverstärkungsfaktor V = Ic/Ib .
Typische Werte
liegen zwischen 100-fach und 800-fach.

Der Detektorempfänger mit zusätzlicher Verstärkung von einem Transistor benötigt aber eine Batterie
für den Betrieb des Transistors. Der Schaltplan sieht nun so aus:

Ich möchte noch einmal mit einem Detektorempfänger und Kopfhörer Radiomusik auf Mittelwelle hören.
Aber es gibt seit Dezember 2015 keinen Mittelwellsender mehr in Deutschland. Aus wirtschaftlichen
Gründen wurden nach und nach alle Mittelwellensender abgeschaltet und demontiert.
Es bleibt mit nichts anderes übrig, als einen eigenen Mittelwellen-Sender zu betreiben. Bestellt
habe ich einen kleinen MW-Senderbaustein, der im folgenden Bild gezeigt wird:

Hersteller-Land: China
Lieferzeit 6 Wochen
Bei der Amplituden-Modulation (AM) schwankt die Amplitude einer Trägerschwingung mit der Frequenz
der sie modulierenden Signale, dies können z.B. Töne, Sprache oder Musik sein.

Am Senderbaustein wird mit dem Drehkondensator im Mittelwellenbereich eine Trägerfrequenz von
z.B. 900 kHz eingestellt.

Ein Sinusgenerator liefert eine Tonfrequenz von 400 Hz und wird am Sender eingekoppelt.

Die modulierte Trägerfrequenz zeigt das nächste Bild.

Mein altes Kofferradio hat noch den Mittelwellenbereich (AM). In ca. 10 m Entfernung vom Sender
stelle ich auf der AM-Scala die Empfangsfrequenz von etwa 900 kHz ein. Tatsächlich, ich höre
bei dieser Einstellung einen Ton von 400 Hz im Lautsprecher vom Kofferradio.

An meinem kleinen DAB-Taschenradio von Sony stelle ich den Musiksender HR4 ein. Vom Kopfhörer-
stecker geht das Verbindungskabel an die Nachbildung der Kopfhörer mit 2 x 50 Ohm und dann an
die Eingangsbuchse für Musik am Senderbaustein.

Der Oszillograph zeigt die mit Musik modulierte Sendefrequenz von 900 kHz.
Die Detektorschaltung mit Verstärkung über einen Transistor zeigt das folgende Bild:

Der Schaltungsaufbau:

Mit dieser Schaltung kann ich von meinem Sender die Musik im Kristallohrhörer hören.
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