Mit meinem Zwillingsbruder Gerhard haben wir in den 1950ziger Jahren mit einer H0-Modelleisenbahn
von der Firma Trix Express gespielt. Damals haben wir zu Weihnachten erst einmal eine Anfangs-
packung mit einer 4,5 Volt-Batterielok geschenkt bekommen. Sie fuhr auf den mitgelieferten Schienen
nur auf einem Kreis. Im Folgenden berichte ich über diese kleine Batterielok.
Im nächsten Bild sieht man die Einzelteile in der Anfangspackung aus den Jahren 1953 und 1954:

Die kleine Lokomotive hat nur zwei Achsen, mitgeliefert wurden zwei Personenwagen, die gebogenen
Trix-Express-Schienen für den Kreis und einen Blechkasten für das Einlegen einer 4,5 Volt Flach-
Batterie. Der Schieberegler hatte drei Stellungen: 0 = Halt, Stellung rechts: Vorwärtsfahren und
Stellung links: Rückwärtsfahren.
Etwa ein Jahr später hat Trix Express eine erweiterte Startpackung angeboten, wieder mit der
4,5 V-Batterielok, einem Schienen-Oval und zwei Güterwagen. Im Fahrtenregler waren Widerstände
eingebaut, um langsam und schnell fahren zu können.

Die Flachbatterie liefert 4,5 Volt. Der Stromverbrauch der Batterielok liegt mit 3 Volt bei 65 mA
und steigt bei 4 Volt auf 75 mA.

Da nach wenigen Spielstunden die Batterie leer war, konnte man die Batterie ersetzen durch einen
kleinen Trafo von der Firma Distler. Dieser Trafo hat einen Stufensteller auf der Sekundärseite
und liefert damit die Teilspannungen 0.3 , 1.5 , 3.0 und 4.5 Volt Gleichspannung.

Nach dem Ausbau der Grundplatte werden die Bauteile im Trafogehäuse sichtbar:

Der von mir mit Power Point gezeichnete Schaltplan zeigt den Trafo, den Stufensteller, den Brücken-
gleichrichter und den Bimetallschalter, der bei Überstrom oder sogar Kurzschluss den Stromkreis
öffnet.

Eine gebrauchte Batterielok habe ich bei ebay ersteigert.

Nach dem Herausschrauben der vier Puffer und dem Abnehmen der Gestänge, kann das Plastikgehäuse
abgezogen werden. Motor und Zahnradgetriebe werden nun sichtbar:

Der metallische Teil des Motors hat eine Länge von 4 cm und einen Durchmesser von 2,5 cm.
Da der Motorblock oberhalb der roten Räder liegt, sollte mit einem hoch liegenden Schwerpunkt
bei diesem Modell gerechnet werden. Dies kann bei hohen Geschwindigkeiten im Kurvenbereich dazu
führen, dass die Batterielok infolge der nach außen gerichteten Fliehkräfte aus der Kurve kippt.
Auch auf der von meinem Zwillingbruder Gerhard und mir aufgebauten großen Trix-Express-Modelleisen-
Bahn-Anlage war eine Batterielok mit vier Personenwagen zu sehen.

Eine kleine Testanlage (140 x 80 cm), bestehend aus einem Schienenoval, einer Weiche einem Abstell-
gleis habe ich aufgebaut. Das Gleismaterial kommt von meiner Trix-Anlage aus den 50ziger
Jahren. Die Schienen bestehen aus Blechprofilen und mussten erst einmal mit feinem Schmirgelpapier
rostfrei geschliffen werden. Später in den 60ziger Jahren hat Trix Express ein neues Gleissystem
herausgebracht, das aus Messing mit Silberzusatz bestand. Das folgende Bild zeigt die beiden Gleis-
profile:

Die einfache Testanlage für die Batterielok sieht so aus:

Den großen universellen Transformator für Trix-Express-Anlagen zeigt das nächste Bild:
Es fällt auf, dass ein Schalter S1 zwischen den beiden Kurzschlussanzeigen von mir vor Jahren
eingebaut wurde.

Die Bauteile im Inneren des Trafos sind aus dem folgenden Bild zu erkennen.

Am blauen Selen-Brücken-Gleichrichter ist eine Verbindung aufgetrennt und über ein braunes
zweiadriges Kabel mit dem Kippschalter S1 verbunden. Diese Veränderung im Trafo habe ich
bereits im Jahre 1958 vorgenommen, um eine reduzierte Spannung für den Betrieb der Batterielok
zu erzeugen.

Die pulsierende Gleichspannung am Trafoausgang bei geschlossenem und offenem Schalter S1
zeigen die folgenden Diagramme:

Der messbare Gleichspannungsanteil bei beiden Bildern liegt bei 10 und 5 Volt. Die Oszillogramme
wurden mit einem Spannungsteiler 1/10 an meinem digitalen Speicher-Oszillographen DS1052E von
der Firma Rigol aufgenommen.
Das Schienenoval für die Batterielok hat eine Länge von 320 cm. Der Trix-Trafo besitzt für jede Fahrt-
richtung acht Reglerstellungen. Die Messung der Fahrtdauer Tr für eine Runde mit der eingestellten
Reglerstellung wird notiert. Die Geschwindigkeit Vr in cm pro Sekunde kann dann berechnet werden mit
Vr = 320 cm dividiert durch Fahrtdauer Tr.

Ich geben zu, dass Gerhard und ich damals auf unseren Modelleisenbahnanlagen die Batterielok auf
einen geraden Gleisabschnitt gestellt haben und auch mal den Traforegler fast voll aufgedreht haben.
Die kleine 4,5 Volt-Batterielok beschleunigte dann wie eine Rakete und kippte in der nächsten Kurve
aus den Schienen. Welch ein Spaß, solange die Lok heile blieb.
Wir wollen heute mit Hilfe einer besonderen Auffangvorrichtung, bestehend aus mehreren Noppenfolien
im Kurvenbereich, die umkippende Batterielok schützen:

Erschrecken Sie sich nicht, wenn Sie mit einem Klick auf das Video die losrasenden Batterielok starten.
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